In den letzten Jahren hat sich WPF (Windows Presentation Foundation, Bestandteil des .NET Frameworks) von Microsoft als die Technik der Zukunft herauskristallisiert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Flexibilität der Benutzeroberfläche von Programmen hat sich seit dem Beginn mit DOS im Jahr 1980 ständig weiterentwickelt. Zu dieser Zeit wurden Fenster noch mithilfe von speziellen Zeichen dargestellt. Unter OS/2 und Windows 3.1 im Jahre 1993 wurden Fenster dann endlich als Grafik gezeichnet. Seit dieser Zeit hat es leider kaum mehr Fortschritte im User Interface von Applikationen gegeben. Im Gegenteil: Mit den Browser-basierten Programmen gab es sogar einen Rückschritt. Doch im Jahr 2006 kam endlich die Lösung: WPF und Silverlight. WPF ist die komplette Lösung für Client-Server-Systeme, Silverlight eine "Light"-Variante für Web-Browser. Es ist abzusehen, dass dieses Gespann das nächste Jahrzehnt der PC-Geschichte dominieren wird.
Doch wodurch zeichnet sich WPF bzw. Silverlight eigentlich aus?
-
WPF ist "live", dh. wenn Sie an einem Ort den Namen einer Person abändern wird diese Änderung wie ein Lauffeuer im gesamten System weiterverbreitet. Wenn Sie also zB. einen Fenstertitel mit diesem Namen darin offen haben, wird er sofort aktualisiert. Bei älteren Oberflächen musste der Programmierer von Hand dafür sorgen, dass die Daten aktualisiert wurden. Dabei wurden stets viele Fehler gemacht. Jeder Windows-Benutzer kennt die Taste F5 inzwischen auswendig.
-
WPF-Oberflächen sind extrem flexibel, wie wenn sie aus Gummi wären. Ein Eingabefeld verbreitert sich einfach, wenn man am rechten Rand anstösst. Die Elemente werden nicht wie früher per Pixelangaben fix auf dem Schirm positioniert, sondern es wird nur gesagt "dieses Element befindet sich zentriert im Inneren jenes Elements" usw. Dadurch, sowie durch clevere Grundbausteine, kann das Anordnen sehr präzise gesteuert werden. Wenn Sie beispielsweise eine Maske vergrössern, weil Sie über einen riesigen 28-Zoll Monitor verfügen, rutschen die Elemente wie bei einem Textverarbeitungsprogramm einfach nach oben und reihen sich fein säuberlich nebeneinander auf.
-
WPF-Oberflächen sind zoombar: Beim Design von WPF wurde darauf geachtet, dass alle Grafiken entweder aus Strichen oder aus Bildern mehrerer Grössen bestehen. Dadurch kann man wie mit einem Vergrösserungsglas heranzoomen ohne dass ein gekörnter Eindruck entsteht. Beim Zoomen kann wiederum von der in oberem Absatz genannten Flexibilität profitiert werden. Es handelt sich also um ein perfektes, cleveres Zoomen, nicht nur um ein simples Pixel-Zoomen wie man es vom Handy her kennt.
-
Unendliche Verschachtelung: In WPF können alle Elemente ins Innere von allen anderen Elementen verschachtelt werden, und das beliebig tief. Bitten Sie einmal einen Nicht-WPF-Programmierer darum, eine Maske in eine Zelle eines Grids zu platzieren (ein intuitives Master-Detail-Grid). Er wird Sie nur flehend anschauen und fragen: "Können wir das nicht irgendwie anders lösen?"
-
WPF bietet verkaufswirksame 2D- und 3D-Grafikeffekte an: In WPF wurden erstmals diverse hübsche Grafikfunktionen eingebaut, die man bisher nur von Präsentationen oder Games her kennt. Sie sind voll in WPF intergriert und können mit allen anderen Elementen (zB. Controls) kombiniert werden. Sie werden auch flüssig angezeigt, da sie direkt auf der Grafikkarte berechnet werden (WPF setzt auf DirectX auf). Falls der PC gar keine Grafikfähigkeiten haben sollte, werden sie mit dem Prozessor berechnet. Es gibt also keinen Grund, sie nicht einzusetzen.
-
WPF enthält nun endlich lang ersehnte Konzepte für den Informationsfluss über mehrere verschachtelte Elemente hinweg (für Informatiker: Commands, Bubbling/Tunneling-Events, Disabling, Hiding, Transparenz, Fokus-Bestimmung, Resourcen pro Element, Weak-Events, Validierung usw.) Viele Arbeitsstunden gingen früher verloren beim Versuch, solche Konstrukte selber zu implementieren.
-
In WPF gilt eine strikte Trennung von Aussehen und Funktionalität. In herkömmlichen Oberflächen gab es stets eine starke Vernetzung von Applikationslogik und Darstellungscode. Die Trennung ermöglicht es, dass eine fixfertige, funktionierende Applikation an einen Grafiker weitergereicht wird, welcher sodann den Look den Firmenfarben anpassen oder einen ganz anderen Look darüberlegen kann. Wir alle wissen, dass gute Programmierer in der Regel keine guten Grafiker sind und umgekehrt. Mit der Trennung wird dieses Problem elegant gelöst und das Risiko minimiert, dass wieder Fehler in die Applikation hineinkommen.
-
WPF ist Teil des .NET Frameworks von Microsoft. Es kann daher nahtlos zusammen mit einer riesigen Menge an vorgefertigem Code verwendet werden. Microsoft soll angeblich eine zukünftige Windows-Version planen, die Grösstenteils in WPF und dem .NET Framework geschrieben ist. Sobald dieses Szenario eintrifft wirken ältere Applikationen wie ein Fremdkörper im System.
|